Wanderung auf den Lusen mit kaputtem Bergschuh - Dia-Niederbayern

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Der abwechslungsreichste, aber auch längste und anspruchsvollste Weg auf den Lusen führt vom Parkplatz
Fredensbrücke entlang der Kleinen Ohe.
Nach der Martinsklause beginnt der steile Aufstieg, der einen guten Vorgeschmack auf die Himmelsleiter bietet.
Am „Teufelsloch“ ist weder im Juni noch im Oktober 2020 etwas zu vernehmen, was auf das Werk unterirdischer
Mächte schließen lassen könnte.
Und der Teufel hat auch nicht seine Hand im Spiel, als sich ein paar Minuten später die Sohle meines linken
Bergschuhs abzulösen beginnt. Nach 15 Jahren ist das einfach Materialermüdung. Mein Mann hatte im Herbst 2017
auf dem Rückweg vom Großen Rachel ein ähnliches Problem. Auch damals hatten wir vorher einige feuchte Stellen passiert, wie diesmal auf dem Weg entlang der Kleinen Ohe.
Auf halber Strecke zum Gipfel löst sich der hintere Teil der Sohle. Den kann mein Mann
noch mit Mullbinde aus dem Erste-Hilfe-Set verarzten. 15 Minuten später hängt plötzlich
die vordere Hälfe der Sohle bei jedem Schritt in der Luft, was das Gehen sogar in dem
flachen Stück nach dem „Teufelsloch“ extrem erschwert. Hier kann ein Langstrecken-
Wanderer mit „Panzer-Tape“ aushelfen, das er
aus den Tiefen seines Rucksacks
hervorholt.
Und somit steht dem steilen und felsigen Aufstieg auf den Gipfel nichts mehr im Wege.
Auf der Himmelsleiter mit ihren 500 Felsstufen sind gefühlt mindestens genauso viele Wanderer
unterwegs und auch um das Gipfelkreuz herum herrscht reger Andrang.
Immerhin ist vor der Hütte noch ein Plätzchen frei – trotz Abstands-Regeln.
Nach dem beschwerlichen Aufstieg (das ist heuer unsere erste Bergtour) und dem Stress mit dem kaputten
Schuh brauche ich dringend eine längere Pause. Als ich im Waschraum kurz die Maske vom Gesicht nehme,
schaut mir aus dem Spiegel jemand entgegen, der entfernte Ähnlichkeit mit mir hat…
Dafür können wir zum ersten Mal seit Sommer 2002 den Rundblick auf 1.371 Metern und die Brotzeit
auf 1.345 Metern bei Sonnenschein genießen – allerdings bereits mit zunehmenden Quellwolken.
Und wie sich das so gehört, wenn wir auf den Lusen gehen, ist die Sonne eine Stunde später hinter
einer dichten und bedrohlich wirkenden Wolkendecke verschwunden.
Den Abstieg machen wir – wie üblich – auf dem gut ausgebauten Sommerweg,
der eine perfekte Strecke für Mountainbiker wäre, wenn er nicht Fahrräder
gesperrt wäre. Auf dem Weg zum Busparkplatz löst sich die Sohle endgültig
von meinem 15 Jahre alten und weit gereisten Bergschuh. Aber auf dem
bequemen Wanderweg und 15 Minuten vor dem Ziel sehe ich das ziemlich
gelassen.
Am nächsten Tag ist das Wetter eh zu schlecht für eine weitere Bergtour und den Kleinen Arbersee schaffen
wir auch mit Turnschuhen. Und weil die auch nicht mehr ganz neu sind, löst sich auch hier ein Stück der Sohle
vom linken Schuh.
Also unterstütze ich in den nächsten Tagen zwei lokale Händler und besorge mir neues Schuhwerk für zukünftige Wandertouren – die erste führt uns im Oktober 2020 in die Buchberger Leite, die zweite wieder auf den Lusen.
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